Neu entdeckter Mechanismus bei Zystennieren

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Das Erlanger Schloss (Bild: FAU/Fotograf)

Erlanger Forschungsteam findet neuen Mechanismus für das Zystenwachstum bei der familiären Zystennierenerkrankung ADPKD

Die autosomal dominante polyzystische Nierenerkrankung (ADPKD) ist eine der häufigsten Erbkrankheiten weltweit und gekennzeichnet durch die Entwicklung zahlreicher Zysten in beiden Nieren. Das kontinuierliche Wachstum der Zysten führt zur Verdrängung der gesunden Nierenanteile und damit zum Verlust der Nierenfunktion. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Transregio-Forschungsverbunds TRR 374, an dem die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), das Uniklinikum Erlangen sowie die Universität Regensburg beteiligt sind, konnten jetzt zeigen, dass der purinerge Rezeptor P2Y2R wesentlich zum Zystenwachstum beiträgt und seine Hemmung die Progression der Erkrankung deutlich reduziert. Die Ergebnisse wurden in der renommierten Fachzeitschrift JASN veröffentlicht (DOI: 10.1681/ASN.0000000000000416).

Die ADPKD gehört zu den häufigsten Erbkrankheiten weltweit und ist ein führender Grund für Nierenfunktionsverlust und damit für die Abhängigkeit von einem Nierenersatzverfahren wie der Hämodialyse oder Nierentransplantation. Ursächlich für ADPKD ist die Entstehung zahlreicher Zysten, also flüssigkeitsgefüllter Hohlräume in den Nieren, die lebenslang an Größe zunehmen und dadurch gesundes Nierengewebe verdrängen. Aktuelle Therapieansätze, um das Zystenwachstum zu bremsen, sind nur begrenzt wirksam und mit Nebenwirkungen verbunden, die die Lebensqualität beeinträchtigen.

Prof. Dr. Björn Buchholz, Oberarzt der Medizinischen Klinik 4 – Nephrologie und Hypertensiologie (Direktor: Prof. Dr. Mario Schiffer) des Uniklinikums Erlangen, hat es sich mit seiner Arbeitsgruppe zur Aufgabe gemacht, die Mechanismen des Zystenwachstums zu entschlüsseln. Dabei konnten sie jetzt P2Y2R identifizieren, ein Adenosintriphosphat bindender Rezeptor, auch purinerger Rezeptor genannt, der in einem ADPKD-Mausmodell maßgeblich zum Zystenwachstum beiträgt. Sowohl das Ausschalten des P2Y2R-Gens als auch die pharmakologische Hemmung durch den Wirkstoff Suramin verbesserten den Verlauf der Erkrankung maßgeblich.

„Als Einschränkung ist zu nennen, dass Suramin auch weitere purinerge Rezeptoren hemmen kann und damit keinen geeigneten Ansatz für eine Langzeittherapie darstellt. Wir freuen uns aber, dass wir seit einiger Zeit mit einem führenden Pharmaunternehmen in Kontakt stehen, das großes Engagement bei der Entwicklung eines spezifischeren Wirkstoffs zeigt“, erklärt Prof. Buchholz. Zusätzlich ergänzt er: „Die Tatsache, dass das Ausschalten von P2Y2R unter physiologischen Bedingungen auch nach über einem Jahr keine nennenswerten Nebenwirkungen im Tiermodell zeigte und sich P2Y2R auch in hohem Maße in Zysten unserer Patientinnen und Patienten nachweisen ließ, lässt P2Y2R als vielversprechendes pharmakologisches Ziel erscheinen.“

Die Arbeit wurde ermöglicht durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Rahmen des transregionalen Nierenforschungsverbunds Erlangen-Regensburg TRR 374.

Quelle: uni | mediendienst | forschung Nr. 61/2024

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Björn Buchholz
09131 85-39002
bjoern.buchholz(at)uk-erlangen.de

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